Review: Lou Reed – LIVE AT ALICE TULLY HALL/MAGIC AND LOSS

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Review: Lou Reed – LIVE AT ALICE TULLY HALL/MAGIC AND LOSS

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Von 1973 bis 1992: rarer Livemitschnitt und 16. Studiowerk jeweils in Doppel-Vinyl-Neuauflage

Als Lou Reed im Januar 1972 im Pariser Club Bataclan eine kurze Reunion mit Nico und John Cale von The Velvet Underground anging, wirkte er aufgedunsen, geradezu spießig normal und ziemlich passiv. Wenige Monate später, als das von David Bowie und Mick Ronson in den Londoner Trident Studios produzierte zweite Studioalbum – das Durchbruchswerk TRANSFORMER – im Kasten war, präsentierte sich der Singer/Songwriter aus Long Island plötzlich schlank und modisch dem Glam-Rock-Zeitgeist angepasst: Mit kontrastreichem Make-up, schwarzem Nagellack, Samtklamotten und Plateauschuhen von Londons In-Boutique Granny Takes A Trip präsentierte sich Mr. Reed fortan als The Phantom Of Rock. Reeds Begleitband The Tots aus New York stand ihrem Bandchef in Sachen Effemination in nichts nach. Mit Bassist Bobby Resigno, Schlagzeuger Scottie Clark sowie den Gitarristen Eddie Reynolds und Vinny Laporta ging es monatelang auf Tour. Bei der zweiten Show am 27. Januar 1973 in der Alice Tully Hall im New Yorker Lincoln Center entstand ein kompletter Mitschnitt in ausgezeichneter Klangqualität. Entgegen der Hard’n’Heavy-Formation mit der Gitarren-Armada Steve Hunter und Dick Wagner, die Reed nur wenige Monate später begleiten sollte, ähnelte die Mixtur aus VU-Originalen sowie Songs der Soloalben LOU REED und TRANSFORMER mehr der folkrockigen Stilistisk von The Velvet Underground bei den Gigs im Max’s Kansas City 1970. Ein famoser Artefakt im Doppel-LP-Format, exklusiv in Burgundy Vinyl. 20 Jahre später legte Reed sein 16. Studioalbum MAGIC AND LOSS vor. Mit Mike Rathke (Gitarre), Rob Wasserman (Bass), Michael Blair (Schlagzeug) und einem Harmoniechor aus Roger Moutenot und Little Jimmy Scott versammelte sich eine nahezu identische Begleitmannschaft im Studio wie beim stilistisch verwandten wie ziemlich erfolgreichen Vorgängerwerk NEW YORK. 14 spärlich instrumentierte Songs um die düsteren Themenkomplexe Magie, Verlust und Tod, darunter ›No Chance (Regret)‹, ›The Magician (Internally)‹, ›Power And Glory (The Situation)‹, ›Cremation (Ashes To Ashes)‹ und ›Goodbye Mass (In A Chapel Bodily Termination)‹, mehr oder minder live eingespielt. Ein ausgezeichnetes Spätwerk, das sich in der vorliegenden Vinyl-Inkarnation über drei LP-Seiten ausbreitet.

8 von 10 Punkten

Lou Reed, LIVE AT ALICE TULLY HALL – JANUARY 27, 1973 – 2ND SHOW, SONY/LEGACY RECORDINGS

8 von 10 Punkten

Lou Reed, MAGIC AND LOSS, RHINO/WARNER

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